So sicher wie nötig!

Eigentlich ist es einfach, einen Kinderspielplatz von einem Fitnessplatz im Freien zu unterscheiden. Allerdings neigen Designer oft dazu, dass jede Anlage einer breiten Palette unterschiedlicher Nutzer dient. Oft bieten solche Standorte sowohl Spielgeräte für Kinder, als auch Fitnessgeräte für Erwachsene an. Ein Plan für einen solchen Standort kann sehr wohl kreativ sein, trotzdem ist es wichtig ein paar Grundregeln zu folgen.

In den vergangenen Jahren wurden eine Reihe neuer Produktstandards eingeführt, wie zum Beispiel EN 16630 für Outdoor-Fitnessgeräte und EN 16899 für Parkour-Geräte. Zusätzlich wurde ein neuer technischer Bericht (TR 16879) veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie Spiel- und Fitnessgeräte voneinander zu unterscheiden sind.

Trennung von Bereichen mit unterschiedlichen Risiken

Spielgeräte sind entsprechend der verschiedenen Altersgruppen anzuordnen. Noch wichtiger ist es, dass die Spielgeräte in gewisser Weise von Fitnessgeräten unterschieden werden können.

Diese Maßnahme dient nicht dazu, den Kindern den Zugang zum Fitnessbereich zu verweigern und es ihnen unmöglich zu machen, Geräte mit einem höheren Sicherheitsrisiko zu benutzen. Stattdessen soll sichergestellt werden, dass Kinder sich nicht unbeabsichtigt zwischen den Bereichen bewegen und unbewusst die riskanteren Fitnessgeräte benutzen.

Je größer der Unterschied zwischen den Sicherheitsrisiken der beiden Bereiche ist, desto deutlicher muss man diese trennen. In der Umsetzung könnte das zum Beispiel so aussehen, dass ein Fitnessbereich neben einem Spielplatz keine Skating-Rampen, freie Gewichte oder Muskeltrainingsgeräte haben soll, die das Risiko eines Zusammenstoßes erhöhen.

Die Trennung des Equipments

Um sicherzustellen, dass ein riskanterer Fitnessbereich nicht mit einem Spielplatz verwechselt wird, sollte das Equipment auch nach Fitness-Equipment aussehen und sollte keine Spielplatz-Elemente wie Schaukeln oder Klettergerüste und Rutschen beinhalten.

Manche Elemente des Fitness-Equipments können auch zwei eindeutig unterschiedliche Nutzen haben. Klimmzugstangen zum Beispiel sind als Kletterhilfen auch häufig auf Kinderspielplätzen zu finden. Normalerweise sind sie dort auf einer niedrigen Höhe von etwa einem Meter angebracht. Eine etwas höher befestigte Klimmzugstange allerdings kann als vollwertiges Fitnessgerät dienen.

Der Einfluss des Oberflächenbelags

Viel wurde schon über den Einfluss der stoßdämpfenden Beschichtungen in Spielplätzen geschrieben und diskutiert.

Es gibt drei Dinge, die beachtet werden müssen, wenn es um Aufprallflächen geht: die Größe des betroffenen Bereiches, die benötigte Stoßdämpfung und der Ausschluss von sich überlappenden Aufprallflächen.

Wenn ein Fitness-Element wie zum Beispiel eine Klimmzugstange neben einem Spielplatz platziert wird, muss die Beschichtung ihrer Aufprallfläche die selben Auflagen erfüllen wie der Rest des Spielplatzes. Wenn der Bereich allerdings ausschließlich für den Fitnessgebrauch designt ist, sind die Auflagen weniger streng.

Trainings- Equipment wie die Klimmzugstange können auf härteren Oberflächen installiert werden als Spielplatz-Equipment.  Bis zu einer Fallhöhe von einem Meter kann die Oberfläche auch total hart sein. Rasen oder Humus ist bis zu einer Fallhöhe von 1,50 erlaubt. Da das Fitness-Equipment normalerweise keine erzwungenen Bewegungen provoziert, können sich diese Bereiche überlagern.

 Wenn ein Parkour-Bereich ausschließlich für Training und nicht dem Spiel designt ist und sich außerdem nicht in der Nähe eines Spielplatzes befindet, kann das Equipment auch auf einer komplett harten Oberfläche installiert sein, bis hin zu einer Fallhöhe von 160 cm. Mit höheren Fallhöhen muss die Kapazität der Stoßdämpfung gleich zwei Drittel der Fallhöhe des Produktes sein. Zum Beispiel sollte ein Element mit einer Höhe von 240 cm auf einer Oberfläche mit einer Fallhöhe von 160 cm angebracht sein.

 

Eine Klimmzugstange im Fitness-Bereich hat eine um einen Meter niedrigere Fallhöhe als die Klimmzugstangen im Spiel-Bereich. 
Eine Klimmzugstange innerhalb des Spielbereiches ist eine Kletterhilfe und erlaubt es den Kindern sich zu drehen, darauf zu klettern oder gar zu sitzen.

Wenn ein Teil des Fitnessequipments, zum Beispiel eine Klimmzugstange, neben einem Spielplatz installiert wird, muss seine stoßdämpfende Oberfläche den selben Standards entsprechen wie der Rest des Spielplatzes.

Sicherheit und umfeldbedingtes Design

Sicherheit ist kein Selbstzweck. In der Tat können Sicherheitsüberlegungen sehr einschränkend sein. Es ist nicht ungewöhnlich, dass gute Ideen wegen Vorschriften und Regeln scheitern. Und trotzdem: Je weniger Sie über die Vorschriften wissen, desto einschränkender erscheinen diese. In jedem Fall am schlimmsten ist, sich keinerlei Vorschriften bewusst zu sein. Ein Konstruktionsfehler kann zu Unfällen oder zumindest zu kostspieligen Reparaturen führen. Zum Beispiel kann eine 4 Meter hohe Boulderwand fälschlicherweise mit einer 50 mm starken stoßdämpfenden Matte versehen werden. Nicht minder fatal ist es, eine verallgemeinerte Vorstellung von den Vorschriften zu haben und sie so streng wie möglich zu interpretieren. Viele gute Ideen werden deswegen nie verwirklicht. Hauptsache, man macht keine Fehler! Zum Beispiel können unbewegliche, kinderfreundliche Fitnessgeräte in der Nähe eines Spielplatzes von einem unnötigen Zaun umgeben sein.

Idealerweise ist der Designer mit den Vorschriften und Grundprinzipien vertraut. So ist es möglich, die Anforderungen korrekt zu erfüllen und gegebenenfalls kreative Lösungen zu finden, um die Risiken auszugleichen, damit das endgültige Design ein ausreichendes Maß an Sicherheit bietet. Zum Beispiel weiß der Designer, dass eine Klimmzugstange in einem Fitnessbereich in einer Höhe von weniger als 220 cm über einer Schicht von Flugasche und Kies installiert werden kann. Gleichzeitig weiß der Konstrukteur, dass ein Sturz von der Stange ein erhebliches Risiko darstellt und es daher ratsam ist, ein stoßdämpfendes Untergrund zu schaffen, das aus einer 30 cm dicken Schicht aus Holzspänen oder stoßdämpfenden Matten mit einem Abstand von einem Meter vor und hinter der Stange besteht, während der Rest der Aufprallfläche mit Flugasche Kies bedeckt werden kann.  Folglich sollte das übergeordnete Prinzip der umgebungsbedingten Gestaltung sein: "Nicht so sicher wie möglich, sondern so sicher wie nötig."  

Rovaniemi 12. Mai 2016

Esa Junttila
Esa Junttila
CEO
Safe to Play Oy
www.s2p.fi/en/